Schwierige Zeiten, ambitionierte Ziele


Hintere Reihe von links nach rechts: Sportlicher Leiter Jürgen Rilli, Benedikt Ocker, Arian Pleißner, Jonathan Leichs, Louis Waldraff, Trainer Philipp Schwenk, Abteilungsleiter Michael Hieber
Vordere Reihe von links nach rechts: Paul Fritz, Simeon Kratochwille, Frederik Füchtner, Jakob Kienzler, Daniel Fritz
Fehlend: Sebastian Scheuermann, Julian Hess, Deniz Bönsel, Manuel Menz, Noah Hartmann

 

Lange hat er gezögert, dann aber doch seine Zusage gegeben für eine fünfte Saison als Jugendtrainer: Philipp Schwenk begleitet „seine Jungs“ der Jahrgänge 2003 und 2004 auch in der A-Jugend. Und das wird in jeder Hinsicht ein spezielles Jahr.
Wer nach monatelanger Abstinenz wieder in die Große Sporthalle kam, wird verblüfft geschaut haben – und sich möglicherweise etwas klein vorgekommen sein. Im A-Jugendtraining war man plötzlich umgeben von Hünen. Trotz Corona-Lockdown hat der überwiegende Teil der Spieler hart an sich gearbeitet. „Wir haben regelmäßig online trainiert, das merkt man beim ein oder anderen“, erzählt Philipp Schwenk freudig. Oft genug kommt es vor, dass der frühere Oberligaspieler im Training selbst mitwirkt. Inzwischen sind die meisten seiner jungen Schützlinge in jeder Hinsicht auf Augenhöhe, so dass der Trainer meist kräftig ins Schwitzen kommt.
 
Bevor es ans „richtige Handballtraining“ ging, stand bei der Rückkehr in die Halle viel Grundlagenarbeit auf dem Programm. „Wir mussten langsam wieder hereinkommen und haben den Körperkontakt anfangs minimiert, um keine Verletzungen zu riskieren“, berichtet Schwenk. Eine weitere Herausforderung galt es zu meistern. Und zwar die Gewöhnung an den größeren „3er-Ball“, mit dem die vormals B-Jugendlichen (fast) keine Erfahrung sammeln konnten. Beim ausgiebigen Wurftraining ist aber schnell der Ehrgeiz in den Augen der Spieler sichtbar geworden. Ein Ehrgeiz, der weit über diese Saison hinaus gerichtet ist.
Denn für mehrere Spieler wird es das letzte Jahr im Jugendbereich sein. Simeon Kratochwille und Louis Waldraff sind längst fest ins Bezirksklassen-Perspektivteam intergriert, Arian Pleißner darf sich sogar berechtigte Hoffnungen auf Einsatzzeiten in der BW-Oberliga machen. Es steht den TSB-Talenten also ein Tanz auf zwei, wenn nicht gar sogar auf drei Hochzeiten bevor. Philipp Schwenk erfüllt dies natürlich mit Stolz. Allerdings gilt es einen schwierigen Spagat zu meistern, sprich auch den Liga-Alltag mit der A-Jugend maximal erfolgreich zu gestalten. Angesichts des schlagkräftigen 17-Mann-Kaders wird jeder Einzelne genügend Spielzeiten bekommen. „Wenn bei den Aktiven Bedarf besteht, kann es natürlich auch sein, dass uns einige Spieler nicht zur Verfügung stehen werden“, ist sich Schwenk bewusst. Doch gerade auf die Dienste von Torjäger Pleißner, Kreisläufer Kratochwille sowie des kreativen Waldraff will der Trainer nur ungern verzichten. Ihre Tore und ihre Leidenschaft könnten Gold wert sein, um sportlich Glanzpunkte zu setzen.
Nach der langen Corona-Pause sind Spannung und Vorfreude noch höher als in normalen Zeiten. Schwenk blickt der völlig neuen Situation gelassen entgegen, sagt aber auch: „Dass wir keine Qualifikation gespielt haben und jetzt plötzlich völlig zufällig in eine Liga eingeteilt wurden, das gab es noch nie. Die Ausgangslage ist daher gar nicht vernünftig einzuschätzen.“ Die Nachwuchsteams in Handball-Württemberg erwartet ein Modus, der vor über einem Jahrzehnt eigentlich abgeschafft worden war. Zwischen September und Dezember werden in mehreren Staffeln der Verbandsklasse die Teilnehmer für die Württemberg-, Verbands- und Landesliga ermittelt, so dass ab Januar die einzelnen Staffelsieger bzw. Ligameister ausgespielt werden können.
 
Kurz gefasst: Die Hinrunde dient als „Ersatz-Qualifikation“. Das alles in kleineren Staffeln mit kürzeren Wegen – was nicht unbedingt ein Nachteil sein muss. Die zwei weitesten Reiseziele der TSB-Youngster lauten Blaustein und Weinstadt. Im gleichen Atemzug bietet die Verbandsklasse zwei brisante Stauferland-Derbys gegen die HSG Winzingen/Wißgoldingen/Donzdorf und den TV Altenstadt. Besonders mit dem TVA lieferte sich das Schwenk-Team in den vergangenen Jahren immer wieder heiße Duelle, zunehmend öfter mit dem besseren Ende für die Gmünder. So auch im vergangenen Oktober, als die Zuschauer in der Großen Sporthalle eine Abwehrschlacht einschließlich herausragender Torwartleistung von Frederik Füchtner zu sehen bekamen. Nach dramatischen 60 Minuten hatte der TSB hauchdünn mit 17:16 die Nase vorn, gefolgt von einer Blauen Karte gegen die Gäste und anschließenden Wortgefechten in den Sozialen Netzwerken. Umso bitterer, dass das erste gleichzeitig auch das einzige Spiel der „Corona-Saison“ bleiben sollte. Am 17.Oktober kommt es nun zur Neuauflage dieses Klassikers.
Wo die Reise hinführen wird und wie die Kräfteverhältnisse innerhalb der Staffel 6 wirklich sind, werden alle Mannschaften wohl erst im Laufe der Hinrunde erfahren. Unabhängig davon haben die Jets ihr Ziel fest ins Auge gefasst. „Wir wollen einen der ersten beiden Plätze in der Gruppe belegen und uns damit für die Württembergliga qualifizieren“, unterstreicht Schwenk die eigenen Ambitionen. Der Reiz, nach dem Jahreswechsel nochmals zwei attraktiven Gegnern die Stirn zu bieten und möglicherweise sogar um den Titel zu kämpfen, ist riesig. An der Maxime hat sich deshalb gar nichts geändert: „Wir wollen möglichst jedes Spiel gewinnen, erst recht zuhause. Das Talent, um vorne mitzuspielen, ist auf alle Fälle vorhanden.“
 
Der Sprung hinauf in den Aktivenbereich wiederum ist nicht nur möglich, gleich mehrere Spieler befinden sich sogar schon mittendrin. Sowohl Pleißner (Jahrgang 2003) als auch Jonas Schwenk (2004) durften große Teile der Sommervorbereitung mit der ersten Mannschaft absolvieren, das Perspektivteam um Coach Rudi Rascher dient als zusätzliches Sprungbrett. „Wir sind dabei, die Jungs bestmöglich auf diese Herausforderung vorzubereiten mit dem Ziel, dass sie schon jetzt Einsatzzeiten erhalten“, bemerkt Schwenk und hebt den engen Austausch mit seinen Trainerkollegen Oprea und Rascher lobend hervor.
Drei Mannschaften, eine Philosophie: Zu dieser Idee zählt auch das gemeinsame Spielsystem, das besonders den Nachwuchsspielern einen reibungslosen Übergang gewähren soll. Eine „optimale Sache“, wie Schwenk findet: „Alle A-Jugendlichen haben die Möglichkeiten, auf jedem Niveau mitzutrainieren und bis zu vier Einheiten wöchentlich zu absolvieren. Das ist optimal. Überall im Aktivenbereich finden sich Spieler, von denen sich die Jungs etwas abschauen und das Erlernte dann nahtlos auch in der A-Jugend anwenden können.“
 
Trainingszeiten:
Dienstag 18:30 – 20 Uhr
Freitag 20 – 21:30 Uhr

(Text und Bilder: Nico Schoch - Mannschaftsfoto: Jörg Frenze)