Es war das Finale nach Wunsch. Der TSB Gmünd begeistert nochmals 1000 Fans und verabschiedet sich mit einem 35:28 (21:13) – Sieg über den TV Plochingen in die Drittklassigkeit. Stephan Mühleisen erzielte bei seiner persönlichen Abschiedsvorstellung den 1000. Treffer einer grandiosen Saison.

22 Siege in 30 Spielen, über 1000 Saisontore erzielt – dass der TSB Gmünd ein verdienter Meister ist, daran waren schon vor den letzten 60 Minuten alle Zweifel ausgeräumt. Für das wirkliche Highlight sorgten die Hauptakteure aber erst danach: In tarnfarbenen Pilotenanzügen inklusive passenden Brillen stürmten die „Jets“ nochmals aufs Feld zurück, stimmten die Laola-Welle mit ihrem treuen Publikum an. Im Konfettiregen und begleitet durch Leuchtfontänen bekamen sie von Michael Roll, Vizepräsident Spieltechnik des Baden-Württembergischen Handballverbandes, den Meisterwimpel der Regionalliga überreicht. Es sind Bilder für die Ewigkeit beim TSB Gmünd, der den größten Erfolg seiner Historie ausgelassen feierte. „Ich hoffe, die Stadt hat noch genügend Geld, um die Halle wieder aufzubauen, wenn ihr sie heute Nacht abreißt“, gratulierte Roll und freute sich in seiner Funktion als Funktionär des künftigen Drittliga-Rivalen TSB Heilbronn-Horkheim auf ein baldiges Wiedersehen. Als zweiter Aufsteiger in die 3. Liga folgt die HSG Albstadt, die ihre Pflicht beim VfL Waiblingen mit 36:30 erfüllte und damit den TSV Heiningen auf Rang drei verwies.
Weil zu einem Fest bekanntlich das passende Ergebnis gehört, hatte sich der TSB selbst nicht lumpen lassen. Im dritten Heimspiel in Folge waren knapp 1000 Zuschauer in die Große Sporthalle geströmt. Sie wurden mit einem teils spektakulären Schlagabtausch zweier junger Mannschaften belohnt, für die es auf dem Papier längst um nichts mehr ging. Der Klassenprimus machte schließlich eindrucksvoll seine 30:33-Hinspielniederlage beim TV Plochingen vergessen. Wenngleich auch der feststehende Absteiger noch einmal einen positiven Eindruck hinterließ.
Ein großes Spalier aller TSB-Jugendspieler hatte die Hausherren ins Spiel begleitet. Welches feurig, aber fahrig begann. Zweimal das Aluminium und einmal Tormann Daniel Mühleisen verhinderten einen frühen Rückstand, bevor Tom Abt nach dreieinhalb Minuten den ersten Treffer markierte. Der TSB-Spielmacher krönte sich an diesem Abend sogar zum besten Feldtorschützen der Liga. Auch Nebenmann Arian Pleißner, der sonst nur selten zum Zuge kommt, ging entschlossen voran und erhöhte kraftvoll auf 5:3 (7.) sowie 8:4 (12.). Ab da lief die TSB-Offensive zur Höchstform auf. Yannik Leichs arbeitete gegen seinen Ex-Verein erst defensiv, erzielte dann das zehnte Tor und so bewahrte der TSB stets ein sicheres Polster.
Gegen eine zunehmende offensive Abwehr spielte die Gmünder Rückraumriege ihre Schnelligkeit aus. Immer wieder wurde Pleißner stark in Szene gesetzt und bewies, welcher Wumms in seinem rechten Wurfarm steckt. Einfache Tore wie ein Konter von Niklas Burtsche zum 17:11 (24.) taten besonders gut, weil die Gäste nie aufsteckten. Der TSB bot etwas fürs Auge und für die Statistiker: Kai Schäffner setzte einen feinen Heber zum 19:13 (27.) ins Netz. Noch vor der Pause bejubelten die Fans das 1000.Saisontor des TSB, dessen Drehbuch nicht besser hätte geschrieben sein können: Im Zeitspiel packte Schäffner das trickreiche Zuspiel auf Kreisläufer Stephan Mühleisen aus, der in seinem vorerst letzten Auftritt für den TSB den 21:13-Pausenstand markierte. Es war die perfekte Show des Meisters.
Während die Partie frühzeitig ihrer Entscheidung entgegen ging, standen die Abschiede beim TSB im Vordergrund: Torwart Tobias Klemm hatte zunächst von der Bank aus lautstark angefeuert, kam zur Pause rein und ließ sich prompt für seine erste Parade feiern. Der 30-Jährige genoss es sichtbar, vor seinem Karriereende noch letztmals vor vollen Rängen zu brillieren. Seine Vorderleute waren noch lange nicht satt, verteidigte hervorragend und setzten zu schnellen Gegenstößen an. Wovon mit Florian Abele ein weiterer Abgang profitierte. Der 19-Jährige trifft erst im Konter, dann von Rechtsaußen und schließlich als Einläufer zum 26:14 (37.).
Der TSB war Herr im eigenen Haus, auch wenn die Plochinger immer wieder Akzente setzen und ihr Keeper Tim Gübele sich einige Male auszeichnen konnte. So pendelte es sich beim Zehn Tore-Abstand ein. TSB-Erfolgstrainer Aaron Fröhlich verteilte beim nun lockeren Ausklang noch einmal die Spielzeiten. Kreisläufer Jonas Waldenmaier erzielt passend zu seiner Trikotnummer den 30. Treffer. Der famose Pleißner hatte immer noch einen Trick parat, traf beim 32:21 (51.) zum sechsten Mal. Auch Linkshänder Stefan Scholz gab nochmals sein letztes Hemd und holte zwei weitere Strafwürfe heraus, die Burtsche verwandelte und damit seinen dritten Platz in der Regionalliga-Torschützenliste festigte. Dass die Hausherren zum Schuss noch einige Würfe vergaben, konnte die Feierlaune nicht trüben.
Schon vier Minuten vor dem Ende stand die gesamte Halle. Während die letzten Regionalliga-Sekunden des TSB heruntertickten, entschloss sich Fröhlich noch zu einem völlig überraschenden Spielzug: Torwart Klemm, der insgesamt sieben freie Bälle pariert hatte, stürmte im letzten Angriff überraschend in den Angriff. Pech, dass er den Pass von Spielmacher Abt nicht zu fassen bekam und Plochingen stattdessen zum 35:28-Endstand einwarf. Der Jubel kannte trotzdem keine Grenzen mehr. Erst recht, als die Nachricht durchsickerte, dass das TSB-Perspektivteam durch Schützenhilfe aus Alfdorf doch noch den Klassenerhalt in der Bezirksoberliga geschafft hatte. Da ließen die Jets längst ihren Meisterwimpel und auch den Aufstiegsgaranten Tobias Klemm hochleben. Die lange Partynacht in der Großen Sporthalle war eröffnet.
TSB Jets – TV Plochingen 35:28 (21:13)
TSB: Daniel Mühleisen, Tobias Klemm – Niklas Burtsche (8/5), Tom Abt (6), Arian Pleißner (6), Florian Abele (3), Stefan Scholz (3), Jonas Waldenmaier (3), Yannik Leichs (2), Stephan Mühleisen (2), Kai Schäffner (1), Andreas Maier (1), Wolfgang Bächle, Kai Kiesel, Lenny Schwenk, Simon Neumaier
TVP: Mika Gmelich, Tim Gübele – Finley Peters (4), Marvin Schmid (4), Axel Steffens (3), Michael Hägele (3), Luca Schwab (3), Manuel Kopf (2), Dusan Ilijin (2), Cedric Hauff (2), Marco Serrano (2), Niklas Priebe (1), Philipp Pirner (1), Denis Wilke (1), Hendrik Kilast, Nick Euchenhofer
Siebenmeter: TSB 6/5 – TVP 5/3
Zeitstrafen: TSB 14 Minuten – TVP 14 Minuten
Schiedsrichter: Tobias Glöggler, Nikolas Rupp (SC Lehr)
Zuschauer: 999
(Nicolas Schoch)






































