Der sportliche Wert ist gering, die emotionale Bedeutung umso höher. Der TSB Gmünd bittet am Sonntag (17 Uhr / Große Sporthalle) gegen den TV Plochingen ein letztes Mal zum Heimspiel und macht daraus ein Fest. Die Jets bekommen den Regionalliga-Meisterwimpel überreicht, für die Fans gibt es Pizza und Freibier.

Die 26:30-Derbyschlappe beim TSV Heiningen war schneller abgehakt, als es üblicherweise der Fall wäre. Zu groß ist die Vorfreude auf das, was kommt – die 3. Liga ruft. Doch bevor es in die wohlverdiente Sommerpause – und für viele TSBler gen Mallorca – geht, stehen noch einmal 60 Minuten Handball auf dem Programm. Dass es schwer fällt, sich noch einmal darauf zu fokussieren, versteht sogar Trainer Aaron Fröhlich „Wir hatten ein Ziel, das unglaublich hoch angesetzt war und das wir uns in den vergangenen zwei Jahren erst herangetastet haben. Doch wir versuchen jetzt noch einmal hochzufahren.“
Absteiger Plochingen hat den Meister schon einmal geschlagen
Tabellarisch geht es um nichts mehr, weshalb der TSB gerne schon am Samstagabend angetreten wäre – dem machte allerdings der Verband einen Strich durch die Rechnung. Alle Partien des letzten Spieltages sollen zeitgleich am Sonntag um 17 Uhr stattfinden. Es wird wohl ein munteres Schaulaufen zwischen zwei Teams, die sich aus der Regionalliga verabschieden. Beim Tabellenvorletzte TV Plochingen zeigte die Leistungskurve in der Rückrunde zwar klar nach oben. Was allerdings zu spät kam, um den Abstieg zu verhindern. Für den TSB könnte es vielleicht sogar keinen besseren Gegner zum Abschluss geben: Immerhin hatte man am zweiten Spieltag im Neckartal eine überraschende 30:33-Niederlage kassiert, die lange nachhallte.

„Vielleicht hat es diesen Dämpfer sogar gebraucht“, meint Fröhlich rückblickend. Ohne aber daraus noch Revanchegelüste ableiten zu wollen: „Letztlich sind wir ja zufrieden, wie die Saison lief. Dennoch ist es kein Gegner, den man automatisch schlägt. Wenn eine Mannschaft gegen den Meister gewonnen hat, dann kann sie nicht fehl am Platz sein.“ Keine Frage: Der TSB will noch einmal voll auf Sieg spielen. Auf eine totale Rotation wie noch in der vorigen Woche will der Trainer deshalb verzichten. Einzig Linkshänder Patrick Watzl, der sich mit Kniebeschwerden herumschlägt, wird pausieren.
„Eine Wertschätzung für diese Jungs“
Zu einem guten Handballspiel gehört auch das Drumherum – und das kann sich sehen lassen. Vor der Großen Sporthalle wartet ein Pizzawagen, hinter dem Tor wird eine zusätzliche Bar aufgebaut. Nach Spielende gibt es Freibier für die Fans und die Mannschaft bekommt feierlich den Meisterwimpel des Baden-Württembergischen Handballverbandes überreicht. „Ich wünsche mir, dass möglichst viele Zuschauer den passenden Rahmen bieten“, so Fröhlich, „auch als Wertschätzung für das, was die Jungs in dieser Saison geleistet haben.“
Im Mittelpunkt stehen dabei auch fünf Akteure, die den Verein verlassen – und die diese Mannschaft geprägt haben. Trainer Aaron Fröhlich selbst stellt diese Verabschiedungen bewusst in den Vordergrund, wobei ihn emotional besonders eine Personalie besonders berührt.

Zwillingsbruder Simon Fröhlich wird seinen Co-Trainerposten nach zwei Jahren abgeben: „Er wird uns extrem fehlen. Damals war eine Mannschaft, vielleicht sogar ein gesamter Verein im Straucheln. Diese Top-Entwicklung, gekrönt durch die Meisterschaft, ist etwas, auf dass wir lebenslang zurückblicken können. Auf der anderen Seite stimmt es mich traurig, dass ich meine persönliche Unterstützung in der täglichen Arbeit verliere.“

Kreisläufer Stephan Mühleisen hört aus privaten Gründen auf: „Er hat sich über sieben Jahre fest integriert, hat immer seine Leistung gebracht und sich in den Dienst der Mannschaft gestellt. Es war sicherlich keine einfache Rolle für ihn, doch er hat um jede Minute Einsatzzeit gekämpft, was ihn und uns alle weitergebracht hat. Zur Stimmung und dem Gesamterfolg hat er einen ganz großen Teil beigetragen.“

Rechtsaußen Florian Abele wechselt zur HSG Ostfildern: „Einzig die Konkurrenzsituation zu unserem Kapitän Wolfgang Bächle ist ihm im Weg gestanden. Ansonsten war er tadellos und hat alles richtig gemacht, was man als junger Spieler nur richtig machen kann. Ich hatte nie ein schlechtes Gefühl, wenn er auf der Platte stand und sehe ihn irgendwann wieder hier bei uns in Gmünd.“

Linkshänder Simon Neumaier zieht es zum künftigen Drittliga-Rivalen TSV Neuhausen/Filder: „Wir sehen auch in ihm ein Talent, das wir gerne bei uns weiterentwickelt hätten. Er hat sich anders entschieden, was wir respektieren und wofür wir ihm viel Erfolg wünschen.“

Torwart Tobias Klemm beendet seine Karriere auf dem Höhepunkt: „Nach seiner schweren Verletzung hat er sich toll zurückgekämpft. In seiner Rolle als Nummer zwei hinter Daniel Mühleisen hat er uns immer wieder herausragende Impulse von der Bank gebracht – was ein Torhüterteam auszeichnet. Tobi ist für uns ein wahrer Energizer, dessen Lücke wir füllen müssen.“
Bestenfalls für immer will sich der TSB Gmünd am Sonntagabend aus der Regionalliga verabschieden. Es ist das Ende einer zwölfjährigen Ära. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass viele Mannschaft den Sprung in die 3. Liga nicht dauerhaft schaffen. Bange ist es dem TSB dennoch nicht. „Ich orientiere mich viel lieber daran, was möglich ist“, blickt Fröhlich auf die vergangenen beiden Jahre zurück. „Nach einer verdienten Pause werden wir wieder alles geben, um den nächsten Entwicklungsschritt zu machen. Wir werden da ganz euphorisch herangehen. Ich bin hundertprozentig davon überzeugt, dass wir die Klasse halten und dort eine gute Rolle spielen können.“
Das ist noch Zukunftsmusik. Am Sonntag gehört die Bühne noch einmal der Meistermannschaft – und ihren Fans.
TSB: Klemm, D. Mühleisen, Immer – Abt, Y. Leichs, Maier, Pleißner, Schäffner, Schwenk, Neumaier, Scholz, Abele, Bächle, Burtsche, Kiesel, S. Mühleisen, Waldenmaier

(Text: Nicolas Schoch - Bilder: Frank Bieg)






































