Dem TSB Gmünd ist Historisches gelungen. Der erstmalige Aufstieg in die 3. Bundesliga ist das Ergebnis einer klaren Vision, außergewöhnlicher Entwicklung und einer Mannschaft, die ihre beste Zeit erst noch vor sich hat.

Schon drei Spieltage vor Saisonende stand fest: Als baden-württembergischer Meister schreibt der TSB Gmünd Vereinsgeschichte. Was noch spezieller ist, da alle Spieler aus der Region stammen und der Großteil sogar im eigenen Nachwuchs ausgebildet wurde. Mit einem Durchschnittsalter von 24,7 Jahren vereinen die „Jets“ jugendliche Dynamik mit einer erstaunlichen Reife. Bei aller individueller Klasse hatte jeder Akteur seine Rolle – und füllte sie auf eigene, prägende Weise aus.
Niklas Burtsche (24 Jahre, 216/97 Tore): Der Eiskalte.
Niklas Burtsche (24 Jahre, 216/97 Tore): Der Eiskalte.
Ein Konter wie aus dem Lehrbuch, ein Abschluss ohne Zittern. Der leichtfüßige, disziplinierte Linksaußen ist der Mann für die klaren Momente. Seine Effizienz sowie sein trickreiches Wurfreportoire machte ihn zum drittbesten Werfer der Regionalliga und zum Publikumsliebling. Tom Abt (23 Jahre, 197/11 Tore): Der Anführer.
Wenn Spiele zu kippen drohten, stellte der beste Feldtorschütze der Regionalliga sie wieder gerade. Mit unbändigem Zug zum Tor und klugen Entscheidungen übernahm der Mittelmann jede Verantwortung, egal wie viel er zuvor einstecken musste und ob der Körper einmal zwickte. Kein Lautsprecher, sondern ein Macher.Yannik Leichs (26 Jahre, 132 Tore): Der Zuverlässige.
Nach seiner Heimkehr wollte er eine bessere Geschichte mitschreiben als vor sechs Jahren und erfüllte dieses Versprechen auf Anhieb. Der Rückraumhüne war das Bindeglied. Einer, der die Drecksarbeit macht, Lücken schließt und trotzdem vorne liefert.Stefan Scholz (25 Jahre, 115 Tore): Der Wuchtige.
Stark im Eins-gegen-Eins und zugleich einer mit echten Shooterqualitäten. Seine teils überraschenden Würfe können Spiele entscheiden. Von einem Neuzugang aus der Verbandsliga hat sich der Linkshänder zum dominanten Faktor entwickelt und steht exemplarisch für den Weg des Teams.Kai Schäffner (24 Jahre, 98/3 Tore): Der Motor.
An der Seite von Abt und Scholz stand er selten im Rampenlicht, überragend war seine Konstanz auf hohem Niveau. Er lenkte, organisierte, stabilisierte. Seine Übersicht, die präzisen und überlegten Pässe in Verbindung mit seiner Stärke in der Abwehr machte ihn zu einem der wertvollsten Spieler. Wolfgang Bächle (31 Jahre, 86/2 Tore): Der Vorbildliche.
Der stets gut aufgelegte Rechtsaußen hat den gesamten Weg aus der Württembergliga bis in die Drittklassigkeit maßgeblich geprägt, dabei weit über 1000 Tore in der vierten Liga geworfen und wurde zu Gmünds „Sportler des Jahres“ gekürt. Nicht nur Kapitän, sondern absolute Identifikationsfigur.Andreas Maier (25 Jahre, 43 Tore): Der Krieger.
Er reißt das Team mit seinem Siegeswillen und seiner Ausstrahlung mit, ist offensiv von allen Positionen torgefährlich. Als Abwehrchef hat er einen Wandel durchzogen. Früher oft zu hitzig, heute kontrollierter – und dennoch mit 25 Zeitstrafen und acht Roten Karten oftmals der Sündenbock für die Schiedsrichter, die ihn besonders im Auge haben.Jonas Waldenmaier (29 Jahre, 36 Tore): Der Kraftprotz.
Sein herausragendes Durchsetzungsvermögen am Kreis war bekannt. Längst verrichtet er auch zuverlässig Defensivaufgaben, wenn die Kollegen eine Pause brauchen. Arian Pleißner (22 Jahre, 23 Tore): Das Versprechen.
War zuvor lange verletzt, weilte das erste Halbjahr im Auslandssemester und schlug trotzdem sofort ein, als wäre er nie weg gewesen. Explosiv und spektakulär ist der wurfgewaltige Rückraumspieler kaum zu bändigen, wenn er ins Rollen kommt. Sein Durchbruch steht bevor.Lenny Schwenk (19 Jahre, 14 Tore): Das Juwel.
Mit einem Zweitspielrecht ausgestattet, zeigte der A-Jugendliche von Frisch Auf Göppingen bei seinen ersten Aktivenspielen vielversprechende Ansätze. Furchtlos und unberechenbar für jede Abwehr, immer für eine Überraschung gut. Einer, der die Zukunft des TSB prägen wird.Florian Abele (19 Jahre, 15/3 Tore): Der Freche.
Zweiter Mann hinter Kapitän Bächle auf der rechten Außenbahn. Wenn er kam, dann trat er dennoch selbstbewusst auf und bewahrte eine hundertprozentige Trefferquote von der Siebenmeterlinie. Bei der HSG Ostfildern hofft er auf mehr Spielzeiten, eine Rückkehr nach Gmünd scheint nicht ausgeschlossen.Simon Neumaier (18 Jahre, 11 Tore): Der Ehrgeizige.
Als US-Jugendnationalspieler und A-Jugendlicher tanzte er auf drei Hochzeiten. Auch beim TSB zündete der quirlige Linkshänder sofort, doch er strebt nach Höherem und wechselt zum künftigen Drittliga-Rivalen TSV Neuhausen/Filder.Stephan Mühleisen (29 Jahre, 11 Tore): Der Teamplayer.
Obwohl er in den vergangenen zwei Jahren nur sporadisch zum Einsatz kam, murrte er nicht und erwies sich als zuverlässiger Verteidiger. Als Lohn erzielte er im letzten Spiel vor dem handballerischen Ruhestand den 1000. Treffer der TSB-Meistersaison.Daniel Mühleisen (29 Jahre, 8 Tore): Der Ruhepol.
Auf den Stammtorwart war Verlass, selbst wenn die Abwehr schwächelte. Reaktionsschnell auf der Torlinie, stark im Duell eins-gegen-eins, mit seiner vorbildliche Einstellung nach innen und außen ein absoluter Musterspieler.Tobias Klemm (30 Jahre, 3 Tore): Der Gekrönte.
Nach seinem Kreuzbandriss kämpfte sich der Routinier zurück, bildete mit Mühleisen ein kollegiales Duo ohne jeden Neid. In der Endphase der Saison zeigte er die entscheidenden Paraden und hielt in Neuhausen/Erms die vorzeitige Meisterschaft fest. Auf dem Höhepunkt tritt er ab, um sich der Familie zu widmen.Patrick Watzl (23 Jahre, 3 Tore): Der Arbeiter.
Der Rückraumrechte erfüllte meist nur den defensiven Part und tat dies herausragend. Einsatz und Einstellung immer vorbildlich, wenn nur das lädierte Knie ihm nicht wieder Probleme bereiten würde.Christian Waibel (37 Jahre): Der Pechvogel.
Aus Loyalität zurückgekehrt, verletzte er sich vor Weihnachten schwer am Arm und hatte das endgültige Karriereende schon vor Augen. Doch er greift noch einmal neu an, um die Abwehr mit seiner Erfahrung zu stabilisieren.Jonathan Leichs (21 Jahre, 2 Tore), Kai Kiesel (23 Jahre, 1 Tor), Devin Immer (22 Jahre): Die Perspektivspieler.
Kaum sichtbar, aber enorm wichtig. Das Trio empfahl sich über die Zweite Mannschaft, hielt das Niveau im Training hoch und fügte sich bei den kurzen Einsätzen nahtlos ein – genau darin liegt das Fundament erfolgreicher Teams.Trainer Aaron Fröhlich: Der Meistermacher.
Ein Trainer mit Plan und Leidenschaft, der unglaubliche 48 von 60 Ligaspielen gewonnen hat. Akribisch bis ins letzte Detail, emotional an der Seitenlinie – so formte er aus einem Beinahe-Absteiger einen verdienten Aufsteiger. Die Dritte Liga sieht er nicht als Abenteuer, sondern als nächsten Schritt einer steilen Entwicklung – was alles über seinen enormen Ehrgeiz aussagt.Co-Trainer Simon Fröhlich: Der Menschenflüsterer.
Als langjähriger Fußballer und Aushilfs-Handballer pflegte er den engsten Draht zur Mannschaft, kümmerte sich während dem Training gezielt um angeschlagene oder verletzte Spieler. Sein stiller Anteil am großen Zusammenhalt wird schwer zu ersetzen sein.Torwarttrainer Philipp Neukamm: Der Bessermacher.
Als langjähriger TSB-Torwart war er der passende Mann zum richtigen Zeitpunkt, investierte viel Fleiß und noch mehr Ideen, um das Torhüterteam auf ein neues Niveau zu heben.Zeitnehmerin Anita Abt, Physiotherapeutin Nina Sos, Betreuer Can Oktay: Das Team ums Team.
Ob Organisation, Betreuung oder Regeneration – sie sorgen zuverlässig dafür, dass sich die Spieler auf das Wesentliche konzentrieren können.Sportlicher Leiter Jürgen Rilli: Der Architekt.
Mit Weitblick, Geduld und einem klaren Konzept stellte er ein Team zusammen, welches nach langen Jahren die große Vision von der 3. Liga erfüllt hat. An Perspektive mangelt es nicht, denn die meisten Akteure kommen erst ins beste Handballalter.Abteilungsleiter Michael Hieber: Der Vater.
Was er im Jahr 1999 als Spielertrainer in der Kreisliga einleitete und später selbst bis in die vierte Liga begleitete, erlebt nun die vorläufige Krönung. Zugleich zieht er mit der B-Jugend, die in die Bundesliga strebt, bereits die nächste Generation heran.(Text: Nicolas Schoch - Bilder: Frank Bieg, Enrico Immer, Nicolas Schoch)






































