Im Topspiel gegen die HSG Albstadt lieferte der TSB Gmünd eine reife Vorstellung ab und bezwang den Tabellenführer mit 38:34. Auch, weil Spielmacher Tom Abt in schwierigen Phasen die Verantwortung übernahm. Der 23-Jährige spricht über Emotionen, Führungsrollen, defensive Stabilität – und warum sich der Blick auf die Tabelle aktuell nicht lohnt.

Glückwunsch zu diesem wichtigen Sieg in einem Spiel auf hohem Niveau. Wie erschöpft bist du direkt danach?

Glückwunsch zu diesem wichtigen Sieg in einem Spiel auf hohem Niveau. Wie erschöpft bist du direkt danach?
"Es war für uns ein extrem wichtiges Spiel. Wir hatten nach der Winterpause keinen optimalen Start. Gegen Wangen gab es zwar einen deutlichen Sieg, doch mit unserer Leistung konnten wir nicht ganz zufrieden sein. In Steißlingen folgte dann ein richtig enttäuschendes Spiel. Deshalb haben wir uns extrem viel vorgenommen, sowohl von den Emotionen als auch spielerisch, und konnten das gut umsetzen. Klar kostet so ein Spiel auch brutal viele Kräfte."
Der Wille, nach den letzten Wochen etwas geradezurücken, war also besonders groß?
"Absolut. Wir wussten, dass mit Albstadt eine absolute Spitzenmannschaft zu uns kommt, die ein brutal hohes Niveau spielt. Trotzdem hatten wir ein Heimspiel – und wir wollten unbedingt etwas wiedergutmachen. Diese Einstellung war schon unter der Woche im Training da. Wir wollten es nicht nur dem Gmünder Publikum zeigen, sondern auch uns selbst beweisen: Wir gehören da oben hin."
Albstadt scheint euch ohnehin zu liegen: Vier Spiele, vier Siege lautet nun die direkte Bilanz.
"Gegen Albstadt macht es immer sehr viel Spaß zu spielen, weil bei ihnen extrem viel Qualität auf der Platte steht. Das sorgt einfach für richtig gute Handballspiele. Bislang hatten wir am Ende immer das glücklichere Ergebnis auf unserer Seite."

Trainer Aaron Fröhlich hat ausdrücklich gelobt, wie sehr du die Mannschaft durch schwierige Phasen geführt hast. Am Ende hast du auch das Spielmacher-Duell gegen den bundesligaerfahrenen Julian Thomann für dich entschieden. Wie stolz macht dich das?
"Natürlich macht mich das stolz. Julian gehört zu den besten Spielern in Baden-Württemberg, übernimmt enorm viel Verantwortung und macht einen überragenden Job für seinen Verein. Wir hatten beide keinen optimalen Start ins Spiel. Ich war mit meiner ersten Halbzeit nicht zufrieden, habe keine guten Würfe genommen und falsche Entscheidungen getroffen. Umso wichtiger war es, das in der zweiten Halbzeit zu korrigieren und der Mannschaft dann besser helfen zu können."
Nach Minuspunkten liegt der TSB nun wieder gleichauf mit Albstadt. Auch wenn es „nur“ ein Spiel war, war das ein großer Schritt Richtung Spitze, oder?
"Klar, wir sind jetzt gleichgezogen. Aber es sind noch viel zu viele Spiele zu gehen. Die Liga ist brutal eng. Wir dürfen eigentlich gar nicht auf die Tabelle schauen, das macht zum jetzigen Zeitpunkt keinen Sinn."

Oft heißt es: Die Offensive gewinnt Spiele. Albstadts beste Offensive habt ihr am Sonntag gut kontrolliert. Was kann die Gmünder Defensive in dieser Saison noch leisten?
Ich bin überzeugt: Defensive gewinnt Turniere, wenn es über einen längeren Zeitraum geht – das hat man auch bei der Europameisterschaft gesehen. Wir haben vor allem in der ersten Halbzeit sehr gut verteidigt, auch wenn wir da noch ein, zwei einfache Tore zu viel kassieren. Danach hatten wir Probleme mit dem Sieben-gegen-Sechs und natürlich mit der Roten Karte gegen Andi Maier. Trotzdem hatten wir am Ende mit Tobi Klemm, davor schon mit Daniel Mühleisen, ein richtig gutes Gefühl. Beide haben eine Top-Leistung gezeigt. Da musste sich Albstadt wirklich etwas einfallen lassen, um noch zu Toren zu kommen.
Zu einem perfekten Sonntagabend hätte nur noch das EM-Finale gefehlt. Bist du arg enttäuscht, dass es für die deutsche Nationalmannschaft nur zu Silber gereicht hat?
Nach einem Finale darf man immer enttäuscht sein. Die Jungs haben sich viel vorgenommen und wollten die Großen schlagen. Über das gesamte Turnier hinweg haben sie einen richtig starken Job gemacht. Ein großes Lob auch an Bundestrainer Alfred Gislason, der eine brutal junge Mannschaft zusammengestellt hat. Die deutsche Mannschaft hat sich von Spiel zu Spiel gesteigert und mit dem wohl schwersten Programm im gesamten Turnier gezeigt, was in ihr steckt. Das macht auf jeden Fall Hoffnung, dass in Zukunft auch der ganz große Wurf möglich ist.
(Text: Nicolas Schoch - Bilder: Frank Bieg)

(Text: Nicolas Schoch - Bilder: Frank Bieg)








































