„Eine volle Halle gibt uns den nötigen Adrenalinstoß“: Wolfgang Bächle im Interview

Es ist eine Nachricht, die die eingefleischten TSB-Fans ganz besonders freut: Als einer der ersten Akteure hat Wolfgang Bächle seine Zusage für die kommende Saison gegeben. Ohnehin hat der 28-Jährige, der bereits in seinem elften Jahr für die „Jets“ auf Torejagd geht, längst Kultstatus erlangt. Mit 184 Einsätzen, in denen er 737 Tore erzielte, ist er der Gmünder Oberliga-Rekordspieler. Im Gespräch mit Nico Schoch blickt der Rechtsaußen auf seinen persönlichen Werdegang zurück und nennt die Gründe, warum der TSB zum Ende einer starken ersten Saisonhälfte am Samstag (19:30 Uhr / Große Sporthalle) auch dem Spitzenreiter TV Plochingen ein Bein stellen kann.

Wolle, laut eigener Aussage hat dein Trainer Michael Stettner lediglich drei Minuten gebraucht, um dich zum Bleiben zu überreden. Was waren für dich die ausschlaggebenden Gründe, frühzeitig für die kommende Saison zuzusagen?
 
So war es tatsächlich! Der TSB ist schon immer mein Heimatverein gewesen und ich bin sehr gerne hier. Grundsätzlich sehe ich gar keinen Grund, nicht weiterzumachen. Weil es im Team gerade einfach passt und Spaß macht. Die ganzen Jungs, Spieler und Trainer, passen sowohl menschlich als auch sportlich perfekt zu uns. Der Verein entwickelt sich weiter, es geht in die richtige Richtung. Den Umbruch haben wir sehr gut gemeistert. Wer hätte das gedacht, dass wir bisher so eine überragende Saison spielen?
Welchen Anteil haben die Trainer Michael Stettner und Volker Haiser am aktuellen Erfolg?
 
Wir spüren einfach alle das volle Vertrauen, das ist das Wichtigste. Sie gestalten auch das Training sehr abwechslungsreich, uns wird nie langweilig. Auch menschlich passen beide wunderbar zum Team.
Du bist bereits 2013 dabei und damit der dienstälteste Spieler im Team. Wie fühlt es sich für dich an, vom Talent zu einem der neuen Anführer herangewachsen zu sein?
 
Die Zeit rennt (schmunzelt). Es ist schon brutal, was für eine junge Mannschaft wir sind und dass ich mit 28 Jahren schon der Älteste bin. Ich bin zwar eher der ruhigere Typ, versuche den Jungs aber bestmöglich bei ihrer Entwicklung zu helfen. Alleine durch meine Anwesenheit will ich da Sicherheit geben. Gerade unserem Linkshänder Moritz Werner, der immer wieder mal auf Rechtsaußen ausgewichen ist, kann ich einige Tipps geben. Das Wichtigste ist, dass die Jungen sich etwas zutrauen. Dass sie dabei auch Fehler machen, ist gar kein Problem.
Im Mai haben wir Abschied genommen von Sebastian Fabian, Aaron Fröhlich und Christian Waibel, die den Verein knapp ein Jahrzehnt lang geprägt haben. Mit bald 200 Oberligaspielen bist du nun auf dem besten Weg, ebenfalls zu einer Legende zu werden...
 
Das ehrt mich natürlich, wenn man das von mir sagt. Ich hätte damals auch nicht gedacht, dass sich das so entwickelt und bin wirklich sehr stolz darauf, diese Zahlen vorweisen zu können.
Mittlerweile kann man sich beim TSB fast keinen anderen Rechtsaußen mehr vorstellen, da du seit einigen Jahren der Einzige auf dieser Position bist. Wie gehst du mit dieser Bürde um?
 
Der Verein hat ein enormes Vertrauen in mich, weil ich schon jahrelang in der Regel Top-Leistungen abrufe und eigentlich nie durch Verletzungen zurückgeworfen wurde. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Doch wir haben auch Spieler im Kader, die auf meine Position ausweichen können. Grundsätzlich hätte ich allerdings nichts dagegen, wenn der Verein einen neuen Rechtsaußen dazu holen würde.

Trotz dem großen Umbruch im Sommer spielt der TSB bislang eine hervorragende Hinrunde. Wie schmerzhaft war die jüngste Niederlage beim Aufsteiger in Wolfschlugen?
 
Wir haben die ersten 20 Minuten komplett verschlafen und lagen bereits mit sieben Toren zurück, das war der Knackpunkt. Danach haben wir uns zurückgekämpft, doch das hat uns natürlich auch brutal Körner gekostet. In der Schlusssekunde das entscheidende Tor zu kassieren, ist natürlich besonders bitter. Vor allem weil es gegen Plochingen sonst ein richtiges Topspiel gewesen wäre...
..aber das ist es doch auch so. Der Tabellenvierter empfängt den Ersten.
 
Aber wenn es Zweiter gegen Erster geheißen hätte, wäre es noch einmal ein anderes Feeling gewesen. Trotzdem war die Niederlage in Wolfschlugen für uns kein Beinbruch. Am Samstag können wir das wieder gut machen, um das Jahr richtig gut abzuschließen.
Die Vorfreude ist dir bereits anzuhören. Was nehmt ihr euch vor?
 
Zunächst einmal müssen wir von Anfang an hellwach sein, um nicht wieder hinterherzulaufen. Dann müssen wir einfach unsere Stärken einbringen und eine stabile Abwehr stellen. Wenn wir unser schnelles Spiel nach vorne durchziehen, dann kann uns wirklich kaum ein Gegner heben.
Vor einem Monat habt ihr den damaligen Tabellenführer TSV Blaustein recht eindrucksvoll mit 38:30 bezwungen. Seid ihr in solchen Spielen besonders motiviert?
 
Ich denke, da ist die Konzentration und die Anspannung automatisch einen Tick höher. Wenn man dann noch zuhause vor voller Hütte spielt, kribbelt es nochmal mehr.
Beim Sieg gegen den späteren Drittliga-Aufsteiger Baden-Baden waren im März schon einmal 800 Zuschauer in die Große Sporthalle gekommen. Kann das Publikum auch dieses Mal ein zusätzlicher Faktor sein?
 
Ich kann mir gut vorstellen, dass es wieder ähnlich viele Zuschauer sein werden. Vor allem weil wir derzeit gute Leistungen bringen und es das letzte Spiel des Jahres mit anschließender Weihnachtsfeier ist. Die Unterstützung der Fans pusht uns einfach enorm. So ein Adrenalinstoß tut gut und hilft uns, nochmals konzentrierter und in der Abwehr aggressiver aufzutreten.
Als Tabellenvierter mit 18:8 Punkten ist der TSB derzeit mittendrin im „Konzert der Großen“. Was ist für euch in dieser Saison noch möglich?
 
Wir haben ganz klar den Klassenerhalt als Ziel ausgegeben. Das ist das Einzige, was zählt. Natürlich haben wir schon gegen viele gute Teams gewonnen und gesehen, was möglich ist. Doch es ist noch nicht einmal die Hälfte der Saison vorbei. Da kann noch viel passieren. Wir sind eine sehr junge Mannschaft, da können Leistungsschwankungen immer vorkommen. Die Niederlage in Pforzheim war bislang glücklicherweise unser einziger wirklicher Ausreißer nach unten. Wenn wir jetzt am Ball bleiben, mit dieser Leidenschaft weiter spielen und auch noch das gewisse Glück haben, dass sich niemand schwerwiegend verletzt, dann können wir vorne dranbleiben.
Aber von einem bestimmten Tabellenplatz oder gar vom Aufstieg spricht bei euch niemand?
 
Nein, überhaupt nicht. Das wäre auch zu hoch gegriffen. Wir schauen weiterhin nur von Spiel zu Spiel, damit sind wir bislang ganz gut gefahren. Denn man darf nie vergessen, dass unser Polster zu den Abstiegsplätzen noch nicht allzu groß ist. Ein Durchhänger kann immer vorkommen, auch wenn ich nicht glaube, dass uns das passiert. Letztendlich kann in dieser Liga wirklich jeder jeden schlagen – wie wir es in Wolfschlugen selbst erlebt haben.

(Text: Nico Schoch - Bilder: Enrico Immer, Nico Schoch)