Wirkt der Dosenöffner? TSB Gmünd bleibt weiterhin im Topspiel-Modus

Kaum ist der Tabellenführer gestürzt, klopft der nächste Hochkaräter an. Mit neuem Selbstvertrauen empfängt der TSB Gmünd am Samstag (19:30 Uhr / Römerhalle Straßdorf) die zuletzt schwächelnde HSG Willstätt/Hanauerland. Den Tabellendritten und den Siebten trennt derzeit gerade einmal ein einziger Punkt.

Diese 60 Minuten könnten in wenigen Monaten rückblickend als Wendepunkt einer ganzen Saison gelten: Nach Wochen mit Höhen und Tiefen präsentierte sich der TSB Gmünd gegen Spitzenreiter HSG Albstadt wieder in absoluter Top-Form und feierte einen 38:34-Heimsieg, der spürbar befreit hat. „Wir wollten uns schon selber beweisen, dass wir an unser höchstes Niveau herankommen und die Besten schlagen können“, fühlt sich Trainer Aaron Fröhlich von seinem Team bestätigt. Es sei eine Leistung am „oberen Limit“ gewesen – und genau die braucht es auch, um gegen die Spitzenteams der Liga auftrumpfen zu können.
 

Freigemacht vom Druck – und vom leisen Zweifel

Die Gmünder haben wieder gezeigt, dass mit ihnen zu rechnen ist. Zwar weisen sie jeglichen Druck von sich, doch nach anderthalb Jahren auf der Erfolgswelle sind die Ansprüche naturgemäß gestiegen. „Wenn man dann seine Leistung nicht bringt, schleppt man das mit sich mit“, zieht Ex-Fußballer Fröhlich einen Vergleich: „Ähnlich, wenn ein Stürmer einige Spiele lang nicht trifft und dann einen Dosenöffner braucht. Diesen hatten wir hoffentlich gegen Albstadt, womit wir uns wieder Selbstvertrauen und Sicherheit geholt haben.“ Wobei der Trainer es durchaus differenziert sieht. Angesichts des immer noch jungen Durchschnittsalters und der dünnen Personaldecke waren Rückschläge von Anfang an einkalkuliert. Weshalb die bislang fünf Saisonniederlagen in der eigenen Wahrnehmung gar nicht so schwer wiegen, wie es von außen scheinen mag.
Gegen große Namen hingegen scheint sich der TSB besonders wohlzufühlen. Da ist es vielleicht sogar eine gute Nachricht, dass mit der HSG Willstätt/Hanauerland nicht nur der aktuelle Tabellensiebte, sondern eines der individuell am stärksten besetzten Teams anreist. „Grundsätzlich haben wir trotz schwieriger Spiele gute Erfahrungen mit ihnen“, grinst Fröhlich, der als Trainer alle bisherigen drei Duelle gegen den früheren Bundesligisten gewinnen konnte. Das Hinspiel nahe der französischen Grenze war mit 41:36 ein pures Spektakel. Damals wie heute gilt: Wer Willstätt schlagen will, muss ihr Tempospiel sowie die variablen Rückraumwürfe kontrollieren – und selbst derart konstant treffen, wie es dem TSB im vergangenen Oktober gelang.
 

Auf die Gmünder Abwehr wartet erneut Schwerstarbeit

Hochkarätig verstärkt mit dem früheren Bundesligaspieler Moritz Schade (zuvor Eintracht Hildesheim) und Rückraumshooter Lennart Cotic, der vor drei Jahren die TGS Pforzheim zur Viertliga-Meisterschaft geworfen hatte, scheinen die Willstätter ihren hohen Erwartungen in dieser Runde bislang gerecht zu werden. Nach sechs Siegen zum Start war es der TSB, der dem HSG-Trainerduo Michael Bohn und Ole Andersen den ersten Dämpfer zufügte. Im neuen Jahr allerdings folgten deutliche Niederlagen sowohl in Heddesheim (23:29) als auch in Heiningen (27:38). In fremder Halle sind die Ortenauer seit nunmehr drei Anläufen sieglos.
 
„Wir müssen uns auf uns konzentrieren“, mahnt Bohn: „Wir brauchen wieder mehr Stabilität und mehr Konstanz in unserer Leistung.“ Sein Team war zuletzt allerdings auch stark ersatzgeschwächt. Der erfahrene Abwehrstratege Dinko Dodig musste krankheitsbedingt passen, zusätzlich beklagte man am vergangenen Wochenende noch den Verlust der Stammkräfte Ajdin Alkic (Pferdekuss) und Mikka Huber (Kniescheibe). Torjäger Cotic litt zuletzt an Pfeifferschem Drüsenfieber und könnte gerade rechtzeitig zum Verfolgerduell wieder einsatzbereit sein.
 

Sieben Spitzenteams, nur drei Punkte Differenz

„Keine Mannschaft kann solche Ausfälle problemlos wegstecken“, weiß Fröhlich. Und totale Konstanz ist ohnehin ein Ding der Unmöglichkeit in einer Liga, in der die sieben besten Teams gerade einmal drei Zähler auseinander liegen. Nach Minuspunkten ist der Tabellendritte TSB (25:11) wieder gleichauf mit Primus Albstadt (27:11), doch die Konkurrenten haben durchweg schon eine oder sogar zwei Partien mehr absolviert. So wenig die Tabelle auch aussagen mag, in Bestbesetzung ist auch der Siebte aus Willstätt (24:14) ein Kandidat für ganz vorne. Entsprechend „bereiten wir uns auf das Schwerstmögliche vor“, verrät Fröhlich und verweist nicht ohne Stolz darauf, dass seine Mannen in den Spitzenspielen bislang immer abgeliefert haben.
Kurios: Das bislang letzte Mal, dass der TSB gegen Willstätt verlor, war im November 2023. Und zwar ausgerechnet in der Römerhalle Straßdorf, wohin die Gmünder an diesem Samstag wegen der Fasnet erneut ausweichen müssen. An einen möglichen Fluch allerdings glaubt Fröhlich überhaupt nicht, sondern ist überzeugt: „Wir werden mit wieder mehr Zuschauern den entsprechenden Rahmen für dieses nächste Topspiel haben. Dazu braucht es dann wieder eine Top-Leistung von unserer Seite.“


Das Torhüterteam als Schlüssel

Der emotionale und spielerische Sahnetag von voriger Woche soll nun der Maßstab für die verbleibenden zwölf Saisonspiele sein. Der Gmünder Kader ist komplett und in guter Verfassung. Das gilt besonders für die beiden Torhüter: Daniel Mühleisen glänzte gegen Albstadt in der ersten Halbzeit, der eingewechselte Tobias Klemm wurde mit fünf Paraden in der Schlussphase zum endgültigen Matchwinner. „In den vergangenen Wochen haben wir oft viele freie Würfe zugelassen und unsere Torhüter nicht gut genug unterstützt“, betont Fröhlich: „Doch sobald wir den Gegner in Schwierigkeiten gebracht haben, waren beide Keeper für uns da. Wir brauchen ihre guten Leistungen, um erfolgreich zu sein.“
 
Gegen die Ballermänner der HSG Willstätt/Hanauerland, die durchschnittlich über 33-mal pro Partie einnetzen, gilt das mehr denn je. Entscheidend wird sein, ob die zurückgewonnene defensive Stabilität auch gegen den individuell stärksten Rückraum hält. Dann wird sich zeigen, ob der Statement-Sieg gegen Albstadt tatsächlich für einen neuen Flow beim TSB Gmünd gesorgt hat.
 
TSB: Klemm, D. Mühleisen – Abt, J. Leichs, Y. Leichs, Maier, Pleißner, Schäffner, Schwenk, Neumaier, Scholz, Watzl, Abele, Bächle, Burtsche, Kiesel, S. Mühleisen, Waldenmaier
(Text: Nicolas Schoch - Bilder: Frank Bieg)