Der TSB Gmünd gegen die Gesetze der 3. Liga

Sieben von zehn Aufsteigern aus Baden-Württemberg mussten in den vergangenen fünf Jahren direkt wieder absteigen. Wer sind die Favoriten, welches Teams kann zum Vorbild werden und warum ist es für Neulinge in dieser Liga so brutal schwer?

Ein mildes Schmunzeln können die Verantwortlichen beim TSB Gmünd nicht verbergen. In einer Vorschau des Deutschen Handballbundes auf handball.net werden die Jets seit dieser Woche als „interessantester Aufsteiger“ deklariert. Gemeinsam mit dem bekannten Rivalen HSG Albstadt und der SG Regensburg betreten sie absolutes Neuland. Auf den TSB warten sechs Gegner, denen man bislang noch nie gegenüberstand sowie erstmalig vier Fahrten nach Bayern. Die meisten Konkurrenten stammen allerdings aus Baden-Württemberg. Und dabei handelt es sich überwiegend um etablierte Namen.
 
Sogar noch mehr: Die Mannschaften in der Südstaffel bringen zusammengerechnet rund 50 Jahre Erfahrung aus der 1. und 2. Bundesliga mit. Namentlich ragt der Gmünder Auftaktgegner VfL Pfullingen heraus. Der TSB Heilbronn-Horkheim um den amtierenden Torschützenkönig Yannik Starz (229/83) führt die Ewige Tabelle der 3. Liga Süd an. Dort finden sich unter den ersten 22 Vereinen elf der 16 aktuellen Teilnehmer. Was verdeutlicht, in welche geschlossene Gesellschaft der TSB hineinplatzt. Die Statistik klingt beängstigend: Sieben von zehn Teams, die seit 2021 aus der Regionalliga Baden-Württemberg nach oben geklettert waren, stiegen umgehend ab. Einzig der TSV Neuhausen/Filder konnte sich fest etablieren. Ex-Bundesligaprofi Daniel Brack hat mit Simon Neumaier einen letztjährigen TSBler unter seine Fittiche genommen und schätzt die Liga sogar noch stärker ein als bislang.
 
Das Beispiel der Vorsaison zeigt, wie schmal der Grat sein kann. Die SG Köndringen/Teningen und der TV Bittenfeld II waren knapp vor den Gmündern aufgestiegen. Während die Südbadener von enormem Verletzungspech gebeutelt waren und mit großem Abstand den bitteren Gang zurück antreten mussten, vermied der TVB II als Tabellenelfter jedes Zittern. Ein Vorbild für den TSB, schließlich begegneten sich beide Teams schon einmal auf Augenhöhe. Anerkennung gibt es bereits von TVB-Trainer Alexander Heib: „Der TSB wird für die eine oder andere Überraschung sorgen. Ich glaube nicht, dass Gmünd absteigen wird.“
 

Die Kluft zur 2. Bundesliga ist riesengroß

Die Favoritenrolle kommt wohl dem SV Kornwestheim zu. Nicht erst seit die eingespielte Truppe von Trainer Dr. Alexander Schurr vorige Woche an einer Überraschung im DHB-Pokal gegen die Rhein-Neckar Löwen geschnuppert hatte. Mit neun Punkten Vorsprung waren die „Lurchis“ vorige Saison Drittliga-Meister geworden und verzichteten trotzdem auf eine Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga verzichtet hatte. Ebenso winkten die Verfolger TSB Heilbronn-Horkheim und SG Pforzheim/Eutingen frühzeitig ab. Was im Süden längst der Regelfall ist. Kaum ein Verein kann die enormen Anforderungen des Vollprofitums stemmen. Nicht nur infrastrukturell, sondern auch sportlich. Der HC Oppenweiler/Backnang kehrt mit nur einem Saisonsieg postwendend aus der Zweitklassigkeit zurück und hat sich neu aufgestellt. Sieben Neuzugänge hat der portugiesische Coach Rui Silva, erst im Januar vom AEK Athen verpflichtet, zu integrieren. Als klassische Fahrstuhlmannschaft ist die HSG Konstanz bekannt, die mit Platz zehn jedoch das schwächste Ergebnis seit 17 Jahren zu verdauen hat und nun eine echte Wundertüte darstellt. Auf ein Jahrzehnt in der 2. Bundesliga können auch die Wölfe Würzburg zurückblicken. An diese erfolgreichen Zeiten anknüpfen will der neue Trainer Dragos Oprea, von 2020 bis 2022 beim TSB Gmünd, mit seiner Art von Tempohandball. Doch einige Leistungsträger haben ihre Karriere beendet.
Im Fränkischen kommt es zu einem weiteren Wiedersehen: Der frühere TSB-Linksaußen Moritz Sokol, ehemals Knück, hat als Co-Trainer beim TV Erlangen-Bruck angeheuert. Ebenfalls ein Verein, der vorgemacht hat, wie es geht und die Klasse halten konnte. Längst ein fester Bestandteil sind die U23-Mannschaften der Bundesligisten. HBW Balingen-Weilstetten II und die Rhein-Neckar Löwen II sind ununterbrochen seit 2009, der HC Erlangen II seit 2017 dabei. Junge, hoch talentierte Spieler wollen sich für höhere Aufgaben empfehlen und die 3. Liga aufmischen. Ähnlich unbekümmert will der TSB Gmünd auftreten, sich dabei weder von großen Namen noch von vermeintlichen Kräfteverhältnissen beeindrucken lassen.
 
Den Blick auf die Tabelle darf der TSB dabei nicht außer Acht lassen. Während der Erst- und Zweitplatzierte an der Aufstiegsrunde teilnehmen dürfen und ebenso wie der Dritte das Ticket für den DHB-Pokal löst, ist auch die Anzahl der Absteiger fix geregelt. Mindestens drei Mannschaften müssen die Gmünder am Saisonende hinter sich lassen, um sich ihren Platz in dieser geschlossenen Gesellschaft zu verdienen. Und damit zu beweisen, dass „interessantester Aufsteiger“ und „erfolgreichster Aufsteiger“ durchaus dasselbe bedeuten können.

Sieben von zehn Aufsteigern aus Baden-Württemberg mussten in den vergangenen fünf Jahren direkt wieder absteigen. Wer sind die Favoriten, welches Teams kann zum Vorbild werden und warum ist es für Neulinge in dieser Liga so brutal schwer?

Ein mildes Schmunzeln können die Verantwortlichen beim TSB Gmünd nicht verbergen. In einer Vorschau des Deutschen Handballbundes auf handball.net werden die Jets seit dieser Woche als „interessantester Aufsteiger“ deklariert. Gemeinsam mit dem bekannten Rivalen HSG Albstadt und der SG Regensburg betreten sie absolutes Neuland. Auf den TSB warten sechs Gegner, denen man bislang noch nie gegenüberstand sowie erstmalig vier Fahrten nach Bayern. Die meisten Konkurrenten stammen allerdings aus Baden-Württemberg. Und dabei handelt es sich überwiegend um etablierte Namen.
 
Sogar noch mehr: Die Mannschaften in der Südstaffel bringen zusammengerechnet rund 50 Jahre Erfahrung aus der 1. und 2. Bundesliga mit. Namentlich ragt der Gmünder Auftaktgegner VfL Pfullingen heraus. Der TSB Heilbronn-Horkheim um den amtierenden Torschützenkönig Yannik Starz (229/83) führt die Ewige Tabelle der 3. Liga Süd an. Dort finden sich unter den ersten 22 Vereinen elf der 16 aktuellen Teilnehmer. Was verdeutlicht, in welche geschlossene Gesellschaft der TSB hineinplatzt. Die Statistik klingt beängstigend: Sieben von zehn Teams, die seit 2021 aus der Regionalliga Baden-Württemberg nach oben geklettert waren, stiegen umgehend ab. Einzig der TSV Neuhausen/Filder konnte sich fest etablieren. Ex-Bundesligaprofi Daniel Brack hat mit Simon Neumaier einen letztjährigen TSBler unter seine Fittiche genommen und schätzt die Liga sogar noch stärker ein als bislang.
 
Das Beispiel der Vorsaison zeigt, wie schmal der Grat sein kann. Die SG Köndringen/Teningen und der TV Bittenfeld II waren knapp vor den Gmündern aufgestiegen. Während die Südbadener von enormem Verletzungspech gebeutelt waren und mit großem Abstand den bitteren Gang zurück antreten mussten, vermied der TVB II als Tabellenelfter jedes Zittern. Ein Vorbild für den TSB, schließlich begegneten sich beide Teams schon einmal auf Augenhöhe. Anerkennung gibt es bereits von TVB-Trainer Alexander Heib: „Der TSB wird für die eine oder andere Überraschung sorgen. Ich glaube nicht, dass Gmünd absteigen wird.“
 

Die Kluft zur 2. Bundesliga ist riesengroß

Die Favoritenrolle kommt wohl dem SV Kornwestheim zu. Nicht erst seit die eingespielte Truppe von Trainer Dr. Alexander Schurr vorige Woche an einer Überraschung im DHB-Pokal gegen die Rhein-Neckar Löwen geschnuppert hatte. Mit neun Punkten Vorsprung waren die „Lurchis“ vorige Saison Drittliga-Meister geworden und verzichteten trotzdem auf eine Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga verzichtet hatte. Ebenso winkten die Verfolger TSB Heilbronn-Horkheim und SG Pforzheim/Eutingen frühzeitig ab. Was im Süden längst der Regelfall ist. Kaum ein Verein kann die enormen Anforderungen des Vollprofitums stemmen. Nicht nur infrastrukturell, sondern auch sportlich. Der HC Oppenweiler/Backnang kehrt mit nur einem Saisonsieg postwendend aus der Zweitklassigkeit zurück und hat sich neu aufgestellt. Sieben Neuzugänge hat der portugiesische Coach Rui Silva, erst im Januar vom AEK Athen verpflichtet, zu integrieren. Als klassische Fahrstuhlmannschaft ist die HSG Konstanz bekannt, die mit Platz zehn jedoch das schwächste Ergebnis seit 17 Jahren zu verdauen hat und nun eine echte Wundertüte darstellt. Auf ein Jahrzehnt in der 2. Bundesliga können auch die Wölfe Würzburg zurückblicken. An diese erfolgreichen Zeiten anknüpfen will der neue Trainer Dragos Oprea, von 2020 bis 2022 beim TSB Gmünd, mit seiner Art von Tempohandball. Doch einige Leistungsträger haben ihre Karriere beendet.
Im Fränkischen kommt es zu einem weiteren Wiedersehen: Der frühere TSB-Linksaußen Moritz Sokol, ehemals Knück, hat als Co-Trainer beim TV Erlangen-Bruck angeheuert. Ebenfalls ein Verein, der vorgemacht hat, wie es geht und die Klasse halten konnte. Längst ein fester Bestandteil sind die U23-Mannschaften der Bundesligisten. HBW Balingen-Weilstetten II und die Rhein-Neckar Löwen II sind ununterbrochen seit 2009, der HC Erlangen II seit 2017 dabei. Junge, hoch talentierte Spieler wollen sich für höhere Aufgaben empfehlen und die 3. Liga aufmischen. Ähnlich unbekümmert will der TSB Gmünd auftreten, sich dabei weder von großen Namen noch von vermeintlichen Kräfteverhältnissen beeindrucken lassen.
 
Den Blick auf die Tabelle darf der TSB dabei nicht außer Acht lassen. Während der Erst- und Zweitplatzierte an der Aufstiegsrunde teilnehmen dürfen und ebenso wie der Dritte das Ticket für den DHB-Pokal löst, ist auch die Anzahl der Absteiger fix geregelt. Mindestens drei Mannschaften müssen die Gmünder am Saisonende hinter sich lassen, um sich ihren Platz in dieser geschlossenen Gesellschaft zu verdienen. Und damit zu beweisen, dass „interessantester Aufsteiger“ und „erfolgreichster Aufsteiger“ durchaus dasselbe bedeuten können.

Infos rund um den Spielbetrieb


Der Sprung in die 3. Liga verhilft dem TSB Gmünd nicht nur zu bundesweiter Aufmerksamkeit, sondern sorgt auch für neue Herausforderungen abseits des Spielfeldes. Hierfür haben die Jets einen neuen Partner gefunden: Die aus Schwäbisch Gmünd stammende Verwaltungsagentur Paktum verwaltet künftig zentral das Sponsoring und weitere organisatorische Aufgaben. Dazu gehören unter anderem die Planung von Spieltagsaufgaben, die Verwaltung von Spielerverträgen sowie die Strukturierung von Werberechten, Flächen und Inventaren. Auch Rechnungen können automatisiert erstellt werden. „Für uns als aufstrebender Verein ist Paktum die Basis, um unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter zu entlasten und Strukturen zu schaffen“, sagt TSB-Abteilungsleiter Michael Hieber. Das Onboarding sei innerhalb weniger Tage erfolgt. Die Partnerschaft begleitet auch eine persönliche Verbindung: Über sein Ehrenamt bei der LG Staufen hatte Paktum-Mitgründer Patrick Laux bereits in der Vergangenheit Berührungspunkte mit dem TSB. Zu den bekannten Kunden der Agentur zählen etwa Erstligist TVB Stuttgart, Zweitligist VfL Lübeck-Schwartau, Basketball-Bundesligist Hakro Merlins Crailsheim und Eishockey-Zweitligist Bietigheim Steelers.

Die Fans des TSB Gmünd dürfen sich auf eine komplette Drittliga-Saison in der heimischen Großen Sporthalle freuen. Alle 15 Heimspiele finden dort statt – ein Ausweichen in die Straßdorfer Römerhalle ist nicht nötig. Mit ihren 1048 Sitzplätzen erfüllt die Große Sporthalle als einzige Gmünder Halle die Anforderungen der 3. Liga, unter anderem bei Kabinen, Technik und den Voraussetzungen für den Livestream. Entsprechend aufwendig wurde der Spielplan mit Blick auf die Hallenzeiten abgestimmt. Die Eintrittspreise wurden moderat erhöht: Vollzahler zahlen 13 Euro, Rentner 9 Euro, Schüler und Studenten 6 Euro. Dauerkarten kosten 140 Euro, ermäßigt 100 Euro, und sind beim ersten Heimspiel an der Abendkasse erhältlich.

Alle Spiele des TSB Gmünd in der 3. Liga sind künftig auch online zu sehen. Die Übertragungen laufen auf sporteurope.tv, das als Kooperationspartner des Deutschen Handballbundes für die 3. Liga fungiert. Anders als noch in der Regionalliga, wo das Streaming freiwillig war, ist die Übertragung in der 3. Liga seit Jahren verpflichtend – inklusive Kommentator. Damit können TSB-Fans auch alle Auswärtsspiele von zuhause verfolgen. Der Hauptrundenpass für alle Drittliga-Spiele kostet 79,90 Euro, der TSB-Teampass 69,90 Euro. Einzelspiele sind für 5,90 Euro erhältlich. 50 Prozent der Erlöse gehen direkt an den ausgewählten Verein.

(Nicolas Schoch)