Mutprobe im Murrtal: Nils Eilers und der TSB Gmünd glauben an ihre Chance

Beim Zweitliga-Absteiger HC Oppenweiler/Backnang steht der TSB Gmünd vor seiner bislang größten Aufgabe. Für den Aufsteiger gibt es wenig zu verlieren – dafür aber umso mehr zu gewinnen. TSB-Linksaußen Nils Eilers freut sich ganz besonders auf das Wiedersehen mit seinen alten Weggefährten.

An und mit den Aufgaben zu wachsen – getreu diesem Credo von Trainer Aaron Fröhlich könnte das Oktober-Programm für den TSB Gmünd gar nicht schöner sein: Ausschließlich Drittliga-Riesen warten auf den Neuling – angefangen mit dem HC Oppenweiler/Backnang, fortgeführt gegen den Vorjahresdritten SG Pforzheim/Eutingen, Ex-Zweitligist Wölfe Würzburg und den amtierenden Meister SV Kornwestheim. Wie unangenehm die „Jets“ auftreten können, bewiesen sie bereits beim Tabellenführer VfL Pfullingen (25:33) sowie bei der HSG Konstanz (27:32). Wenngleich die ersten Auswärtspunkte noch auf sich warten lassen, mit 5:7 Zählern kann der TSB durchaus zufrieden sein – und ist es trotzdem nicht ganz.

„Alleine, dass wir uns darüber aufregen, ist prinzipiell ein gutes Zeichen“, findet Nils Eilers. „Das zeigt, dass wir den Ehrgeiz haben und auch gut gespielt haben.“ Denn das jüngste 29:29-Remis gegen den TV Erlangen-Bruck hatte sich für die Gmünder im ersten Moment wie eine Niederlage angefühlt. Erst recht, weil die Aufgaben nun deutlich schwieriger werden dürften. Doch gerade in der Rolle des Außenseiters sieht der neue Linksaußen des TSB eine gewaltige Möglichkeit. „Wir haben gegen alle Mannschaften eine Chance auf Bonuspunkte“, ist sich Eilers sicher. „In den engen Spielen müssen wir noch cooler werden, aber das kommt mit der Zeit.“

Als Außenseiter zu Gast an alter Wirkungsstätte

Auf den 26-Jährigen wartet ohnehin mehr als ein gewöhnliches Auswärtsspiel. In der Saison 2024/25 trug der Linksaußen das Trikot des HC Oppenweiler/Backnang und war Teil jener Mannschaft, die den Aufstieg in die 2. Bundesliga schaffte. Gerade in den Aufstiegsspielen vor großer Kulisse erzielte Eilers einige ganz wichtige Tore. Erinnerungen, die bleiben. Auch abseits des Spielfelds sind die Verbindungen längst nicht abgerissen. Mit HCOB-Kapitän Lukas Rauh ist Eilers eng befreundet, mit Torjäger Nick Fröhlich besuchte er kürzlich ein Fußballspiel von Herzensverein Bayern München. Obwohl sich im Murrtal seit seinem Abschied personell einiges verändert hat, weiß Eilers genau, was den TSB erwartet. Vor drei Wochen machte er sich vor Ort ein Bild und war durchaus beeindruckt, wie dominante Hausherren mit 39:27 über Erlangen-Bruck hinwegfegten. „Erlangen-Bruck hat gegen uns vergleichsweise ganz anders gespielt“, vergleicht Eilers: „Damals haben sie sich hängen lassen. Das war nicht das Erlangen-Bruck, das gegen uns gespielt hat. Wir wollen so lange wie möglich mithalten, damit es hinten raus dann noch spannend wird.“
Eine besondere Herausforderung ist für Eilers derzeit auch die Situation auf der eigenen Linksaußenposition. Dort ist Niklas Burtsche bislang eine der prägenden Figuren des TSB und knüpft nahtlos an seine überragende Aufstiegssaison an. Für Eilers blieb deshalb häufig nur der Platz auf der Bank. Unzufrieden damit ist er trotzdem – oder gerade deshalb – nicht. Denn bislang hat er seine wenigen Chancen konsequent genutzt: Fünf Würfe, fünf Treffer stehen in seiner Statistik. „Jeder in unserer Mannschaft will immer spielen – das ist ganz normal. Niklas macht es super und wenn wir gewinnen, freue ich mich. Aber klar habe ich den Ehrgeiz zu spielen – das weiß Niklas, das weiß Aaron, das wissen alle. Ich mache da weiter, wo ich bin und freue mich auf jede Spielzeit. Wenn ich drauf bin, gebe ich mein Bestes.“
 
Aus dem Konkurrenzkampf ist dabei kein Gegeneinander entstanden. Burtsche und Eilers verstehen sich gut, pushen sich und profitieren voneinander. „Klar ist man immer etwas enttäuscht, aber es ist wichtig, immer die Mannschaft zu unterstützen und da Rückendeckung zu geben. Dass man nicht beleidigt ist, wenn man nicht spielt, sondern heiß drauf – dann hat man gleich eine andere Ausstrahlung.“ Auch Aaron Fröhlich sieht Eilers' Situation keineswegs als Problem. Im Gegenteil. „Dass er nicht zufrieden ist, will ich hoffen. Er beweist sich in jedem Training und hat in den Spielen hervorragende Leistungen gezeigt. Es ist aber so, dass Niklas brutal gut aufspielt und da gab es nicht viele Gründe zu wechseln – wenn, dann war es hervorragend. Ich habe gar keine Zweifel, dass Nils auf seine Minuten kommen wird und dann auch wieder so performen wird.“
 

Aus schwierigen Zeiten gelernt

Dass Eilers mit einer solchen Situation inzwischen besser umgehen kann, hat auch mit seiner eigenen Vergangenheit zu tun. Seine Zeit beim HCOB hatte einst ähnlich begonnen und nahm schließlich ein versöhnliches Ende. Aus der damaligen schwierigen Phase hat er seine Lehren gezogen. „Ich habe aus dieser Phase gelernt – weil ich habe mich damals hängenlassen. Aber das wird mir in der Form nicht mehr passieren. Sondern ich werde dranbleiben, auch wenn es mal eine harte Zeit ist. Da muss man disziplinierter sein, durchziehen, die Laune hoch zu halten.“ Trotz seiner geringen Einsatzzeiten versprüht Eilers großen Ehrgeiz und Freude an seiner neuen Aufgabe beim TSB Gmünd. Was auch an einem anderen Grund liegt: Der bekennende Espresso- und Sauna-Liebhaber hat erst vorige Woche sein Bachelor-Studium erfolgreich abgeschlossen.
 
Gesundes Selbstvertrauen, dazu eine Prise Mut: Beides wird der TSB brauchen, um die bevorstehenden Hammeraufgaben zu bewältigen. Schon beim Tabellenzweiten im Murrtal wird das Team maximal gefordert sein und braucht genau jene Geduld, die Eilers inzwischen gelernt hat. Und dann könnte die Stunde des Außenseiters schlagen. Eilers möchte allerdings nicht selbst im Mittelpunkt stehen. Auch wenn die Vorstellung reizvoll wäre, ausgerechnet gegen den Ex-Verein die entscheidende Szene zu liefern. „Wenn, dann wäre es nicht mein, sondern unser Moment. Mir ist es nicht wichtig, da selbst besonders zu spielen, sondern dass wir uns als Mannschaft gut präsentieren.“
 
Vielleicht ist genau das die größte Stärke des Aufsteigers: Er fährt nicht nach Backnang, um sich vor dem Zweitliga-Absteiger zu verstecken. Sondern um zu sehen, wie weit er inzwischen tatsächlich gekommen ist.
 
Infos: Die Partie beginnt am Samstag um 19 Uhr in der Murrtal-Arena in Backnang. Karten gibt es an der Tageskasse und im Online-Vorverkauf des HC Oppenweiler/Backnang. Die Partie wird zudem kostenpflichtig auf sporteurope.tv gestreamt.  

(Text: Nicolas Schoch - Bilder: Frank Bieg)