Die zweite Auswärtsfahrt steht an. Bei der HSG Konstanz trifft der TSB Gmünd am Samstag (20 Uhr / Schänzle-Sporthalle) auf einen langjährigen Zweitligisten, der selbst noch nicht richtig in der Saison angekommen ist. Die Jets hoffen auf einen besonderen Tag und die ein oder andere individuelle Top-Leistung.

Vier Spiele, zwei Siege – für einen Aufsteiger ist das eine mehr als achtbare Bilanz. Der TSB Gmünd hat sich in der 3. Liga Süd bislang bemerkenswert schnell zurechtgefunden und steht nach dem 35:31 gegen die HSG Albstadt auf dem achten Rang. Doch Aaron Fröhlich ist erfahren genug, um die Tabelle richtig einzuordnen. „Unsere Ausbeute ist hervorragend“, findet der Trainer. Sein Team ist angekommen – aber noch längst nicht völlig solide. Zu fehlerbehaftet, zu schwankend sind die bisherigen Auftritte. Die höhere Qualität der neuen Spielklasse haben die Gmünder dabei ebenfalls zu spüren bekommen. „Wir müssen uns jede Woche voll beweisen und werden mit unserem 08/15-Programm nicht erfolgreich sein“, so Fröhlich. „Dazu brauchen wir immer eine richtig gute Leistung und etwas Besonderes vom einen oder anderen.“
So wie zuletzt von Daniel Mühleisen. Der Torhüter war beim 35:31 gegen Albstadt der herausragende Mann. 18 Paraden steuerte Mühleisen zum zweiten Heimsieg bei und hatte damit entscheidenden Anteil daran, dass der TSB nach dem Rückschlag gegen Regensburg sofort wieder in die Erfolgsspur fand. Fröhlich freut sich besonders darüber, dass sein Torhüter nun auch in der 3. Liga eine solche Leistung abgerufen hat. Wobei der Trainer daran erinnert, dass Mühleisen bereits beim Auftakt in Pfullingen stark gehalten hatte – nur ging seine Leistung bei der deutlichen Niederlage etwas unter. „Wir hatten zwei Spiele mit weniger guten, aber zwei Spiele mit sehr guten Fangquoten. Deshalb bin ich mit meinen Torhütern insgesamt sehr zufrieden, mit Dani und Fabian Bauer haben wir auch eine sehr gute Trainingssituation.“

Was Fröhlich allerdings noch nicht zufriedenstellt, ist die defensive Konstanz. In allen vier bisherigen Spielen kassierte der TSB mehr als 30 Gegentore. Eine Bilanz, die nicht unbedingt dem entspricht, was sich der Trainer von seiner Mannschaft vorstellt. Was sich gegen extrem schnell spielende und früh abschließende Albstädter allerdings relativierte. Den Erfolg seiner Abwehr misst der Trainer deshalb eher daran, wie viele Regeln und Absprachen eingehalten werden. „Wenn der Gegner eine gute Qualität hat und Tore wirft, habe ich kein Problem damit. Mich stört es, wenn wir Fehler machen im System wie gegen Regensburg. Insgesamt haben wir eine gute Tendenz in unserer Abwehr und verbessern uns.“
Wenn sich die Tür einen Spalt weit öffnet, will der TSB das nutzen
In Konstanz wartet nun ein Angriff von nochmals anderer Qualität, vielleicht sogar das größte Kaliber überhaupt. Seit der Saison 2015/16 war die HSG entweder Meister der 3. Liga oder Teil der 2. Bundesliga. Erst die vergangene Saison mit Rang zehn bedeutete einen deutlichen und enttäuschenden Bruch mit dieser Tradition. Mit Mittelmaß gibt man sich am Bodensee entsprechend nicht zufrieden. Konstanz will wieder nach oben, ist bei seinen drei Auswärtsspielen aber noch nicht richtig in der Saison angekommen. Nach der 33:38-Niederlage beim Meister SV Kornwestheim und dem 29:26-Sieg beim noch punktlosen TV Bittenfeld II strauchelte die HSG wie auch der TSB über den Neuling SG Regensburg. Zur Pause hatten die Konstanzer noch mit 17:13 geführt, ging dann aber zu fahrlässig mit ihren Möglichkeiten um und unterlag in der Schlusssekunde mit 29:30. „Es ist extrem bitter, wir sind selbst schuld“, sagte Trainer Ralf Bader anschließend. Der ehemalige Erstligaspieler ist seit Januar im Amt und stand einst unter anderem beim TV Großwallstadt und der SG BBM Bietigheim an der Seitenlinie.

Für den TSB ist das eine Warnung – und zugleich ein Hinweis darauf, dass selbst ein großer Name verwundbar sein kann. Fröhlich lässt sich von der Regensburger Überraschung allerdings nicht dazu verleiten, die eigene Niederlage gegen den Mitaufsteiger im Nachhinein kleiner zu reden. Zudem dürfte die HSG bei ihrer Heimpremiere mit Wut im Bauch auftreten. Die stimmungsvolle Schänzle-Sporthalle direkt am Bodensee wird erstmals in dieser Saison zum Schauplatz eines Drittliga-Heimspiels. Der TSB kennt die Halle bereits aus früheren Regionalliga-Duellen mit der Konstanzer U23 – und auch einen der heutigen Schlüsselspieler beim Gegner. Rückraumshooter Lars Michelberger hat sich wie zahlreiche Konstanzer Talente bis in die 2. Bundesliga hochgearbeitet und erzielte vorige Woche in Regensburg allein 13 Treffer. Auf ihn wird der TSB besonders aufpassen müssen.
Wenngleich der Trainer darauf hinweist, dass der Top-Gegner auf allen Positionen auch Top-Material aufbietet: „Ich glaube, die sehen sich wo ganz anders – auch berechtigt mit Blick auf den Kader und das Umfeld. Sie können mehr, aber haben bislang starke und schwächere Phasen in ihren Spielen.“ Genau diese Schwächephasen gilt es für den TSB zu erwischen. Wenn sich da eine Tür auftut, müssen wir da sein und den Fuß reinstellen. Das ist eines von vielen Spielen, wo wir an unser Maximum kommen müssen und trotzdem darauf angewiesen sind, dass auch der Gegner uns etwas anbietet.“ Dass die HSG mit großer Erwartungshaltung und einer entsprechend aufgeheizten Atmosphäre in die Partie gehen wird, sieht der TSB-Coach sogar als zusätzlichen Anreiz. Schon in der Vergangenheit habe sein Team unter Beweis gestellt, dass „uns die weiten Auswärtsspiele liegen. Für uns ist es ein weiteres Highlight, aus dem wir ein enges Spiel machen und unsere Akzente setzen wollen.“

Personell kann Fröhlich nahezu aus dem Vollen schöpfen. Weiterhin fehlt lediglich Yannik Leichs, der nach seinem Syndesmosebandriss noch Zeit benötigt. Dafür ist Agustin Ortlieb Basualdo inzwischen endgültig in der Mannschaft angekommen. Der junge Argentinier feiert am Spieltag seinen 22. Geburtstag und hat nach seinem späten Einstieg in die Vorbereitung und der überstandenen Knieverletzung bei seinem ersten Kurzeinsatz prompt sein erstes Drittliga-Tor erzielt. Fröhlich lobt dessen starke Wurfquoten im Training: „Ich traue ihm das jederzeit wieder zu, mit freiem Kopf hereinzukommen und den nächsten Ball reinzuwerfen.“ Noch steht Ortlieb Basualdo hinter Kapitän Wolfgang Bächle, der bislang eine herausragende Saison spielt. Doch auch dieses Beispiel zeigt: Der TSB hat Optionen – und braucht sie auch.
Denn in Konstanz wird es nicht reichen, nur eine ordentliche Leistung abzurufen. Der Aufsteiger muss das Maximum aus sich herausholen. Und vielleicht braucht es genau das, was Fröhlich bereits gegen Albstadt als Schlüssel bezeichnet hat: eine besondere Leistung des Einzelnen, die eine ohnehin gute Mannschaftsleistung auf ein anderes Niveau hebt. „Dann sind wir absolut konkurrenzfähig“, ist sich Fröhlich sicher: „Wenn wir dann noch ein, zwei besondere Leistungen abrufen werden wir extrem unbequem sein und dieses Spiel offen gestalten.“
Info: Eintrittskarten gibt es im Online-Vorverkauf der HSG Konstanz vergünstigt für 16,50 Euro (Ermäßigt 12,50 Euro) statt 18 Euro (14 Euro) an der Tageskasse. Bei Sporteurope.tv wird die Partie live und kostenpflichtig übertragen.
(Text: Nicolas Schoch - Bilder: Frank Bieg)
(Text: Nicolas Schoch - Bilder: Frank Bieg)








































