Der Blick geht nur nach vorne: TSB Gmünd „will und muss punkten“

Handball, Oberliga: Der Saisonendspurt beginnt für den TSB Gmünd am Samstag (19:30 Uhr / Große Sporthalle) mit dem Heimspiel gegen die SG Heidelsheim/Helmsheim. Nach drei sieglosen Auftritten erwartet das Trainerteam eine klare Reaktion und zwei Punkte.

 

Der März war im doppelten Sinne ein Monat der vergebenen Chancen für die „Jets“. Beim TSV Blaustein (30:34), dem Gruppenzweiten der Abstiegsrunde, gab der TSB ebenso einen Vorsprung aus der Hand wie auch eine Woche darauf gegen den drittplatzierten TVG Großsachsen (30:32). Die eklatant schwache Wurfquote in der Crunch-Time machte somit auch den Plan zunichte, sich vorzeitig der aller größten Sorgen zu entledigen. „Jetzt haben wir definitiv Druck“, sagt Trainer Michael Stettner angesichts von nur noch einem Punkt Vorsprung auf die Abstiegsränge: „Das haben wir uns selber eingebrockt.“

 

Tief sitzt ganz besonders der Stachel vom jüngsten 32:32-Remis beim TSV Deizisau. Gegen den weiterhin sieglosen Vorletzten war ein Sieg eigentlich fest eingeplant. Nach einem Vier Tore-Rückstand drehten die Gmünder das Spiel zwar spät, kassierten dann aber mit der Schlusssirene den Ausgleichstreffer. Selbst wenn es zu einem schmeichelhaften Sieg gereicht hätte, die enttäuschende Leistung galt es so oder so aufzuarbeiten. „Am liebsten hätten wir danach gleich weitergespielt, um dieses Spiel aus dem Kopf zu bekommen“, blickt Stettner zurück auf das freie Osterwochenende, an dem seine Mannen individuelle Trainingseinheiten absolvierten.

 

Die Durststrecke will der Trainer jetzt gar nicht mehr groß thematisieren, für ihn zählt einzig der Blick nach vorne. Verbunden mit einer klaren Forderung. „Wir müssen in allen Bereichen eine Schippe drauflegen“, sagen Stettner und sein Co-Trainer Volker Haiser unisono: „Wir erwarten nun eine klare Reaktion von der Mannschaft. Das erwartet die Mannschaft aber auch von sich selbst.“ Noch mehr als vor zwei Wochen ist der TSB (13:11 Punkte) am Samstag gegen den Drittletzten SG Heidelsheim/Helmsheim (6:18 Punkte) zum Siegen verdammt. Was auch daran liegt, dass parallel die dahinter lauernden Konkurrenten TuS Schutterwald (12:12) und TSG Söflingen (13:11) aufeinander treffen.

 

Um nicht weiter an Boden zu verlieren, müssen zwingend beide Punkte in eigener Halle behalten werden. Allerdings wartet wieder ein Gegner, der sich trotz ungünstiger Ausgangslage nicht aufgegeben hat. Die Spielgemeinschaft aus den Bruchsaler Stadtteilen erkämpfte sich an Ostern beim Schlusslicht SG H2Ku Herrenberg mit 29:27 ihren erst dritten Saisonsieg. Für den erhofften Klassenerhalt beschwört Heidelsheim/Helmsheim auf seiner eigenen Homepage zwar schon selbst ein „mittelgroßes Handballwunder“, will dafür aber nichts unversucht lassen. Mit einem vollbesetzten Fanbus tritt der Aufsteiger erstmals seit sieben Jahren wieder die Reise ins Remstal an.

 

Völlig unbekannt ist die SG den Gmündern nicht. Bei den bisherigen Oberliga-Duellen von 2014 bis 2017 waren mit Wolfgang Bächle, Philipp Schwenk und Jonas Waldenmaier bereits drei Akteure aus dem heutigen Kader von der Partie. Die Bilanz von damals liest sich aus Gmünder Sicht sehr positiv: Alle drei Heimspiele gegen die SG Heidelsheim/Helmsheim wurden seinerzeit gewonnen. Obwohl die Favoritenrolle auch nun bei den Hausherren liegt, warnt Stettner in aller Deutlichkeit vor dem gefährlichen Umschaltspiel der Badener. Deren bester Torjäger ist Rechtsaußen Marco Kikillus (111/45 Tore), der vor zwei Jahren vom Drittligisten TGS Pforzheim heimgekehrt war. Die Aufstiegsmannschaft der Vorsaison bildet weiterhin den Kern des Teams, dessen neuer Cheftrainer Thiemo Faulhaber den „Spaß an der Außenseiterrolle“ hervorhebt.

 

Nach dem jüngsten Erfolgserlebnis reist Heidelsheim/Helmsheim mit frischem Mut an, um in Gmünd zu überraschen. „Doch auch wir wollen es richtig wissen“, betont TSB-Coach Stettner: „Für uns gibt’s nur ein Ziel, das heißt Vollgas nach vorne und diese zwei Punkte zu holen.“ Damit würde der TSB die Gäste weiter distanzieren und wieder etwas mehr Sicherheit genießen. Bei aktuell nur einem Punkt Vorsprung auf Schutterwald ist sich jeder dem Ernst der Lage bewusst. „Sollten wir nicht gegen die hinteren Mannschaften punkten, dann wird es ganz schwer“, ahnt Stettner, der seinen kompletten Kader aufbieten kann.

 

Allen voran die Rückkehr von Wolfgang Bächle, der im ersten Spiel nach seiner Hand-OP gleich zwei Tore in Deizisau beisteuerte, sei ein „echtes Upgrade.“ Die Erfahrung und die Treffsicherheit des 29-jährigen Rechtsaußen soll dem TSB in den letzten sechs Saisonspielen zum Klassenerhalt verhelfen. Zwar brauche Bächle noch ein bisschen Spielpraxis, um das altbekannte Level zu erreichen, gibt Stettner zu bedenken: „Er hilft uns menschlich unwahrscheinlich, sein sportlicher Wert steht ohnehin außer Frage. Seine Rückkehr ist für uns ein riesiges Plus.“

 

Die Gmünder sind unter Zugzwang und müssen beweisen, dass sie diesem Druck standhalten können. „Wir haben in den vergangenen Wochen einfach zu viel liegen lassen“, sagt Stettner und richtet den Blick dann gleich wieder nach vorne: „Jeder weiß, was die Stunde geschlagen hat. Wir wollen und wir müssen punkten. Zusammen mit unseren Fans wollen wir das jetzt schaffen. Deshalb alle kommen, helfen und supporten. Das hilft der Mannschaft jetzt enorm.“

 

TSB: Daniel Mühleisen, Tobias Klemm – Nicola Rascher, Tom Abt, Kai Schäffner, Andreas Maier, Philipp Schwenk, Jonas Schwenk, Stefan Scholz, Patrick Watzl, Wolfgang Bächle, Vincent Pick, Ivo Dragicevic, Louis Waldraff, Jonas Waldenmaier, Stephan Mühleisen

 

(Nico Schoch)