B-Jugend 2020/21: Ehrgeizige Ziele in schwierigen Zeiten

Die B-Junioren des TSB Gmünd wollen sich erneut selbst übertrumpfen: Eine Top Drei-Platzierung ist der Wunsch von Trainer Philipp Schwenk, doch das Corona-Virus wirbelt ganz besonders die „internationale“ Württembergliga durcheinander.

Hintere Reihe von links nach rechts: Trainer Philipp Schwenk, Sebastian Scheuermann, Jonathan Leichs, Jonas Schwenk, Benedikt Ocker, Julian Hess, Daniel Fritz, Betreuer Deniz Bönsel
Vordere Reihe von links nach rechts: Maxim Werner, Manuel Menz, Paul Fritz, Noah Reifenstein, Frederik Füchtner, Maximilian Stariha, Matti Mück, Noel Reibstein
Die B-Junioren des TSB Gmünd wollen sich erneut selbst übertrumpfen: Eine Top Drei-Platzierung ist der Wunsch von Trainer Philipp Schwenk, doch das Corona-Virus wirbelt ganz besonders die „internationale“ Württembergliga durcheinander.

Hintere Reihe von links nach rechts: Trainer Philipp Schwenk, Sebastian Scheuermann, Jonathan Leichs, Jonas Schwenk, Benedikt Ocker, Julian Hess, Daniel Fritz, Betreuer Deniz Bönsel
Vordere Reihe von links nach rechts: Maxim Werner, Manuel Menz, Paul Fritz, Noah Reifenstein, Frederik Füchtner, Maximilian Stariha, Matti Mück, Noel Reibstein

Württembergliga 2020/21


Vor dem Blick nach vorn, zunächst der Blick zurück: Als Tabellenvierter übertrafen die Jets ihre eigenen Erwartungen und avancierten zur positiven Überraschung in der namhaft besetzten Südstaffel. Denn immerhin zählte der überwiegende Teil des Kaders noch zum jüngeren Jahrgang. „Es wäre vielleicht sogar noch ein bisschen mehr drin gewesen“, resümiert Schwenk und hadert dabei mit einer Schwächephase, in der einige Spielerausfälle das Team schwächten. Dennoch: „Wir haben einen großen Schritt nach vorne gemacht, als Mannschaft aber auch jeder einzelne Spieler für sich.“
 
Der Trend erscheint fast schon surreal: Innerhalb von zwei Jahren vom abgeschlagenen Letzten zum Spitzenteam in Württembergs höchster Spielklasse. Das Schwenk-Team hat auf dem Sprung von der C- in die B-Jugend einen enormen Entwicklungsschritt gemeistert. Ein Trend, der im Februar 2020 ganz besonders deutlich wurde: Mit 38:24 triumphierten die jungen Gmünder in der berüchtigten „Hölle Süd“ der MTG Wangen. Ein überragendes Ergebnis, bedenkt man, dass die TSBler zwei Jahre zuvor noch mit einer deftige 18:40-Klatsche aus dem Allgäu heimgekehrt waren. Das Verrückte: Bis auf wenige Ausnahmen standen sich beide Mannschaften in der nahezu gleichen Besetzung gegenüber. „Wenn man bedenkt, dass das Ergebnis damals genau umgekehrt lautete, ist dieser Erfolg einfach genial“, jubelte Schwenk.
Anders als noch in der C-Jugend-Landesliga waren die Gmünder dieses Mal nicht gekommen, nur um zu lernen und den Gegnern die Punkte zu überlassen. Entscheidend waren das taktisch disziplinierte Auftreten und der tadellose Einsatz in der 3-2-1 Abwehrformation. Mit der mustergültigen Startbilanz von 7:1 Punkten setzte man sich prompt in der Spitzengruppe fest, der alles überstrahlende Klassenprimus aus Heiningen war bei der 24:33-Heimschlappe dann aber doch eine Nummer zu groß. Obwohl Rückraum-Shooter Arian Pleißner mit seinen 127 Saisontoren herausragte, war es doch das Kollektiv, dass die Schwenk-Truppe so stark machte. Tormann Frederik Füchtner war nicht allein beim denkwürdigen 18:15-Derbysieg über Altenstadt ein hervorragender Rückhalt. Im Rückraum zogen Jonathan Leichs und Jonas Schwenk die Fäden, auf den Außen wirbelten Deniz Bönsel sowie Louis Waldraff und auf der Kreisläuferposition bestätigte Simeon Kratochwille die Eindrücke der Vorsaison. Stolze 62 Treffer erzielte das Kraftpaket und wirkt gewappnet für die kommenden beiden A-Jugendjahre.
 
Durch ihr starkes Abschneiden waren die Jets automatisch qualifiziert für die neue Württembergliga-Runde, nachdem die Qualifikationsrunden im Zuge der Pandemie ersatzlos gestrichen wurden. Neue Husarenstreiche scheinen nicht ausgeschlossen, obwohl mit Pleißner und Kratochwille die beiden besten Torschützen ebenso fehlen werden wie Kreativspieler Waldraff. Das Trio rückte in die eigene A-Jugend auf. Ehrgeiz und Euphorie sind nichtsdestotrotz ungebrochen. Im vierten Jahr in Folge auf HVW-Ebene vertreten, wollen sich die Jungs des Jahrgangs 2004 weiter verbessern und den vierten Platz nochmals übertreffen. „In der Württembergliga gehören wir auf jeden Fall hin, müssen aber erst einmal wieder schauen, wo wir uns einordnen“, erklärt der Trainer, der zufrieden feststellt: „Vor allem in der Breite ist unser Kader besser geworden, aber auch in der Spitze. Körperlich sind wir nun noch stärker, denn meine Großen sind jetzt erst im zweiten Jahr und mittlerweile fast alle so groß wie ich.“
Das bestehende Grundgerüst um die Rückraum-Strategen Schwenk und Leichs wird durch drei feste Neuzugänge verstärkt: Matti Mück und Maximilian Stariha kommen vom Nachbarn HSG Winzingen-Wißgoldingen-Donzdorf, Max Senger vom SV Fellbach in die Stauferstadt. Darüber hinaus wurden gleich drei Akteure aus dem jüngeren Jahrgang 2005 mit einem Zweitspielrecht ausgestattet, so dass sie weiterhin für ihre Stammvereine auflaufen und zugleich Württembergliga-Erfahrung beim TSB sammeln können. Julian Hess wie auch Tormann Noah Hartmann stammen ebenfalls von der HSG WiWiDo, Patrik Stadelmaier hingegen von der HSG Bargau/Bettringen.
 
Die lange handballfreie Zeit versuchten die jungen Gmünder bestmöglich zu nutzen, der Fokus lag auf der Athletik. Als das Individualtraining endlich wieder durch gemeinsame Einheiten in der Halle abgelöst wurde, „haben wir jeden Tag daran gearbeitet, dass jeder Einzelne spielerisch eine Schippe drauflegt“, so Philipp Schwenk. Das Trainingslager in der Großen Sporthalle war taktisch geprägt, die Spielzüge wurden akribisch einstudiert. Dadurch, dass die Württembergliga längst erreicht war, konnte der Trainer ganz gelassen die Fortschritte seiner Jungs verfolgen. Dass diese für den nahenden Sprung in die A-Jugend gewappnet sind, erscheint da umso wichtiger. Dass Torwart-Teufelskerl Füchtner und Regisseur Leichs bereits regelmäßig im Fröhlich-Team BWOL-Luft schnuppern dürfen, nutzt beiden Seiten. Die 6-0-Abwehr, der neue Ball, die immer enger werdenden Räume – all diese Aspekte sind es, in denen Schwenk noch viel Arbeit vor sich und seinen Jungs sieht: „Die Spieler werden immer größer. Das ergibt ein neues Spiel, in dem man den immer geringer werdenden Platz besser nutzen muss. Sei es durch schnelles Weiterspielen oder Überzahl schaffen.“
Die Trainings- und Lernbereitschaft der Mannschaft allerdings ist enorm. Ungebrochen ist ebenso der Wille, auch in der Tabelle nach ganz oben zu blicken. Auf einige bekannte Gesichter und Hochkaräter treffen die TSBler in der Württembergliga Süd, wobei der TSV Denkendorf und Alpla Hard wohl die Favoritenrolle einnehmen werden. „Unser Ziel ist es auf jeden Fall besser zu sein als vergangenes Jahr – das heißt, mindestens unter die Top Drei zu kommen“, erklärt Schwenk: „In Denkendorf haben wir vor einem Jahr gewonnen, gegen Hard zweimal Remis gespielt. Mal sehen, welche Mannschaft sich seitdem besser entwickelt hat.“
 
Die Zeichen, dass die TSB-Youngster ihre Erfolgsgeschichte fortschreiben, stehen jedenfalls denkbar gut – wenn das Wörtchen Corona nicht wäre. Angesichts der Pandemie könnte die sportliche Herausforderung schnell wieder in den Hintergrund geraten. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die Partien gegen die beiden Vertreter aus dem Risikogebiet Vorarlberg – Hard und Bregenz – überhaupt stattfinden können.Gleich zu Saisonbeginn wurden alle Partien mit österreichischer Beteiligung abgesagt. Sich für ein Jugendspiel zwei Wochen in Quarantäne zu begeben, erscheint doch irrsinnig und so erwartet alle Teams in dieser „internationalen“ Württembergliga eine Reise ins Ungewisse.

(Text und Bilder: Nico Schoch)